Geschichte

Mitten im Toleranzviertel - Ein Blick in die Geschichte

Als Anfang der 30er-Jahre immer mehr Katholiken aus Schlesien nach Berlin Mitte zuwanderten, entschloss sich die Gemeinde St. Sebastian zu einem Kirchenneubau. Die neue Kirche entstand mitten im sogenannten „Toleranzviertel“. So wurde das Straßenkarree rund um die Sophienkirche bezeichnet, in dem 1671 – erstmals nach 100 Jahren der Verbannung – wieder Juden in Berlin siedeln durften.

Ganz in der Nähe, in der Großen Hamburger Straße, die noch im 19. Jahrhundert die „Straße der Toleranz“ genannt wurde, befindet sich der älteste jüdische Friedhof der Stadt. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) ließen sich in dem Viertel auch katholische Schlesier und protestantische Pommern und Ostpreußen nieder. Es entstand ein religiös sehr gemischtes Viertel mit einer ausgesprochen armen Bevölkerung.  Die Deportation der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis zerstörte dieses Mit- und Nebeneinander.

Nach der friedlichen Revolution 1989/90 konnten jüdische Einrichtungen in der „Spandauer Vorstadt“ wieder Fuß fassen. Auch die evangelische Sophiengemeinde erlebte in den letzten Jahren großes Wachstum.

 

Sankt Adalbert- Kirche im Verborgenen

In den beengten Verhältnissen des Stadtviertels musste 1932/33 eine Hinterhofkirche gebaut werden. Als renommierter Architekt fand sich der Österreicher Clemens Holzmeister, der damals zahlreiche Kirchen erbaute. In Berlin war Holzmeister außerdem 1930 -1932 für den Umbau des Innenraums der Hedwigskathedrale zur Bischofskirche verantwortlich.

Die Lage im Hinterhof war zunächst nicht weiter von so großem Nachteil, weil sich unter den praktizierenden Katholiken in der Diasporasituation die neue Kirche schnell herumgesprochen hatte.

Ein verborgener Kirchbau für eine Kirche, die eben auch eher im Verborgenen lebte. In der DDR-Zeit wurde das noch verstärkt. Dabei blieb die St.-Adalbert-Gemeinde eine nach innen lebendige Gemeinde, die für DDR-Verhältnisse allerdings eine relativ hohe Fluktuation erlebte. In dieser Zeit setzten die Missionarinnen der Nächstenliebe

und die Fokolarbewegung geistliche und kirchliche Impulse durch Kommunitäten vor Ort. Mutter Teresa war dreimal zu Gast in St. Adalbert.

Seit den 90er-Jahren ging das Gemeindeleben aufgrund von Wegzug, besonders von vielen Familien, und einer allgemein hohen Fluktuation dramatisch zurück, sodass es 2003 zur Fusion mit der Herz-Jesu-Gemeinde kam. 2004 wurde in St. Adalbert das „Ökumenische Zentrum Net for God“ durch die Gemeinschaft Chemin Neuf gegründet.
 

Heute: Toleranzviertel reloaded

St. Adalbert will als katholischer und zugleich ökumenischer Partner zu einem modernen Zeugnis von Respekt und Verständigung beitragen, mit dem die Tradition des Toleranzviertels wieder aufgenommen wird. Es soll zu einem Ort des Respekts und der Toleranz besonders auch für die Jugendlichen werden, die die Gesellschaft von morgen prägen werden.